Delegation gewinnt an Bedeutung
Was machen Primary Care Manager und Physician Assistants und wie kann man das werden?
Berufsbegleitender PCM-Studiengang stärkt effiziente Delegation in Hausarztpraxen
Die hausärztliche Versorgung wird sich in den kommenden Jahren verändern: steigende Patientenzahlen und eine ältere und damit auch kränker werdende Bevölkerung. Auch die Arztzahlprognose 2040 macht deutlich, dass die Hausarztpraxen ihre Ressourcen noch effizienter einsetzen werden müssen. Delegation gewinnt damit weiter an Bedeutung. Voraussetzung dafür sind entsprechend qualifizierte Praxisteams und Mitarbeitende, die zusätzliche Aufgaben übernehmen können.
Berufsbegleitender Bachelorstudiengang
Ein aus der hausärztlichen Versorgung heraus erdachtes Angebot besteht mit dem berufsbegleitenden Bachelorstudiengang Primary Care Management (PCM). Dieser wurde vom Hausärztinnen- und Hausärzteverband gemeinsam mit der FOM Hochschule für Oekonomie & Management entwickelt und richtet sich unter anderem an Medizinische Fachangestellte oder VERAHs, die bereits in einer Hausarztpraxis tätig sind. Das Studium vermittelt neben zusätzlichen medizinischen Kenntnissen beispielsweise Kompetenzen in Praxisorganisation, Qualitätsmanagement, Kommunikation, E-Health sowie Versorgungssteuerung.
Hausarzt Dr. Bernd Schüttrumpf mit seiner Primary Care Managerin Sandra Bednarek
Hausarzt Dr. Bernd Schüttrumpf aus Sarstedt, Mitglied der Vertreterversammlung der KVN, ist PCM-Pionier der ersten Stunde und sieht in der Einbindung von PCM einen spürbaren Mehrwert für seine Praxis: „Unsere Primary Care Managerin Sandra Bednarek gehörte zu den ersten, die den Bachelorstudiengang berufsbegleitend erfolgreich abgeschlossen haben. Inzwischen entlastet sie mich insbesondere im Controlling und Praxismanagement. Im medizinischen Bereich führt sie mittlerweile eigene PCM-Sprechstunden durch, übernimmt in Delegation OP-Vorbereitungen sowie Standard- und Reiseimpfberatungen. Auch die Erstgabe von Hyposensibilisierungen erfolgt, bei ärztlicher Präsenz, durch sie. Für unsere Praxis ist das eine echte Stärkung!“
Anmeldung zum Studium ab sofort möglich
Der berufsbegleitende Studiengang zum Bachelor of Science startet jeweils zum Sommersemester im März. Für den Studienstart im Frühjahr 2027 ist die Anmeldung ab sofort möglich. Voraussetzung sind eine abgeschlossene Ausbildung zum Beispiel zur Medizinischen Fachangestellten, eine damit verbundene Anstellung in einer Hausarztpraxis und mindestens dreijährige Berufserfahrung (oder ein Fachabitur). Je nach Vorqualifikation dauert das berufsbegleitende Studium fünf bis sechs Semester. Die Vorlesungen finden vor allem digital statt; eine Blockwoche je Semester in Präsenz wird unter anderem im FOM Hochschulzentrum in Hannover angeboten. Anmeldungen erfolgen direkt über die FOM Hochschule.
Weitere Informationen zum Studiengang, Ansprechpartner sowie die Anmeldeformulare finden Sie bei der FOM Hochschule.
Mit dem Bachelor zum Physician Assistant
Seit 2005 gibt es Physician Assistants (PA) in Deutschland – und die Nachfrage nach dem akademischen Gesundheitsberuf steigt. PAs werden sowohl im stationären als auch im ambulanten Bereich tätig und leisten dort einen wichtigen Beitrag zur Sicherstellung einer qualitativ hochwertigen medizinischen Versorgung.
PAs unterstützen und entlasten Ärztinnen und Ärzte im Rahmen eines kooperativen Delegationsmodells. Ärztliche Aufgaben werden dabei entsprechend der rechtlichen Vorgaben und unter ärztlicher Verantwortung übertragen. Nicht delegierbare, höchstpersönliche ärztliche Leistungen bleiben ausdrücklich der Ärzteschaft vorbehalten, wie die Website der Deutschen Gesellschaft für Physician Assistants e.V. erklärt.
Bachelorstudium
In einem Bachelorstudium erlangen die Studierenden Kenntnisse in naturwissenschaftlichen Grundlagen, Anatomie, Physiologie und Pathologie, sowie in Innerer Medizin, Chirurgie, OP-Lehre und Funktionsdiagnostik bis hin zu Public Health, Digitalisierung und Gesundheitsökonomie. An manchen Hochschulen ist der Abschluss einer dreijährigen medizinischen Ausbildung Voraussetzung, an anderen ist ein Studium primärqualifizierend möglich. Seit 2021 gibt es auch ein Masterstudium.
Aktuell kann PA an 22 Hochschulen (darunter 12 private Hochschulen) in Deutschland studiert werden. Auf der Website der Deutschen Gesellschaft für Physician Assistants e.V. ist ein Hochschul-Finder nutzbar. In Niedersachsen wird das Studium derzeit in Hannover, Braunschweig und Papenburg angeboten.
PAs unterstützen und entlasten Ärztinnen und Ärzte in der Praxis
KVN fördert Praxen bei der Beschäftigung von PA – und auch bei PCM
Die Förderung der Delegation umfasst die Anstellung und Vergütung akademisierter nichtärztlicher medizinischer Fachkräfte. Hierzu gehören insbesondere Medizinassistenten (Physician Assistants) und Primärmedizinische Versorgungs- und Praxismanager/-innen (Primary Care Manager).
Eine Vereinbarung zur Förderung der Delegation ärztlicher Leistungen an nichtärztliches Personal im ambulanten hausärztlichen Bereich in Niedersachsen wurde unter anderem mit der AOK Niedersachsen, der IKK classic und diversen Ersatzkassen getroffen.
Die Förderung erfolgt in hausärztlichen Praxen in Planungsbereichen mit einem angepassten Versorgungsgrad, der bei unter 80 Prozent liegen muss. Derzeit ist die Förderung auf 70 Praxen landesweit begrenzt. Die Förderung endet mit Beendigung der Tätigkeit der akademisierten nichtärztlichen Fachkraft in der Praxis.
Auch Gesundheitsminister Philippi unterstützt das Projekt
Mit dem „10-Punkte-Aktionsplan für mehr Hausärztinnen und Hausärzte in Niedersachsen“ setzte die Landesregierung im Juli 2025 ein starkes Signal: Mit gezielten Maßnahmen in Studium, Weiterbildung und Praxis soll die Allgemeinmedizin als erste Anlaufstelle in der Gesundheitsversorgung gestärkt werden.
Niedersachsens Gesundheitsminister Dr. Andreas Philippi: „Physician Assistants können viele Aufgaben übernehmen. Davon profitieren nicht nur die Hausärztinnen und Hausärzte, die entlastet werden, sondern langfristig auch die Patientinnen und Patienten. Aus diesem Grund arbeiten wir mit drei Bausteinen: die Einrichtung einer Landesförderung, den Aufbau von Studienplätzen sowie ein gemeinsamer Vertrag zwischen KVN und GKV, der die Abrechnung von Physician Assistants regelt.“
Beraterinnen und Berater informieren
Die Förderung ist weiterhin möglich. Ein entsprechendes Antragsformular ist im Mitgliederportal (Formulare/Förderung der Delegation) auf der KVN-Website eingestellt.
Die Beraterinnen und Berater der KVN informieren auch vor Ort in den Praxen. Ansprechpartnerin für dieses Thema ist Julia Okon aus der Bezirksstelle Verden. Die Beraterinnen und Berater finden Sie hier: https://www.kvn.de/Mitglieder/Beratung/Beratungsprodukte.html