Sicherstellung der
ambulanten Versorgung –
eine Herausforderung für die KVN
Sicherstellung der ambulanten Versorgung – eine Herausforderung für die KVN
Dr. Ronald Lücke, Vorsitzender des KVN-Sicherstellungsausschusses, Facharzt für Allgemeinmedizin in Hameln
Foto: KVN
Kein Arzt oder Psychotherapeut lässt sich einfach so in seiner Praxis nieder. Zumal im Studium über die Praxis der vertragsärztlichen oder vertragspsychotherapeutischen Tätigkeit nicht viele Worte gemacht werden. Anders bei der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN). Die Niederlassungsberatung der KVN mit ihren 16 Niederlassungsberatern macht Tag für Tag in intensiven Detailgesprächen den Weg zur eigenen Praxis frei und erfüllt damit eine der tragenden Säulen des gesetzlichen Auftrages: die Sicherheit nämlich, dass dem individuellen Bedarf in den Regionen Niedersachsens entsprechend, immer eine ausreichende Zahl von Ärztinnen und Ärzten und Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten für die ambulante Versorgung der Menschen zur Verfügung steht. Auch die Organisation eines leistungsfähigen Ärztlichen Bereitschaftsdienstes an Wochenenden und Feiertagen ist ein Teil davon. Den Bereitschaftsdienst haben wir in Niedersachsen im vergangenen Jahr erfolgreich reformiert.
Die KVN agiert hier allerdings nicht völlig frei, denn die Sicherstellung ist eingebunden in das Korsett einer gesetzlichen Bedarfsplanung. Deshalb sind viele Regionen für die Niederlassung weiterer Ärzte oder Psychotherapeuten gesperrt. Gemeinsame Ausschüsse mit den Krankenkassen entscheiden über die Zulassung von Ärztinnen und Ärzten und Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten. Gemeinsame Verfahren erfordern manchen Kompromiss. Aber das hält uns nicht davon ab, die gesetzlichen Stolpersteine im Interesse unserer Mitglieder und der Patientinnen und Patienten weitgehend aus dem Weg zu räumen. Dies wird zunehmend schwieriger.
Es gibt viele Einflussfaktoren, die Ärztinnen und Ärzte aktuell und auch zukünftig von der Niederlassung (vor allem auch im ländlichen Raum) abhalten. Dies beginnt bei der oft ländlich geprägten Infrastruktur: fehlender Bedarfsverkehr, fehlende Kinderbetreuung und weiterführende Schulen sowie fehlende Freizeitangebote und auch fehlendes schnelles Internet.
Zudem wollen junge Ärztinnen und Ärzte regelhaft eher keine (alte) Einzelpraxis übernehmen und vermehrt im Team arbeiten. Sie scheuen oftmals das wirtschaftliche Einzelrisiko, dass durch die Angst vor Regressen auch noch verstärkt wird.
„Den Bereitschaftsdienst haben wir in Niedersachsen im vergangenen Jahr erfolgreich reformiert.“
Dr. Ronald Lücke
Um trotz dieser Problematiken eine möglichst gleichwertige vertragsärztliche Versorgung in ganz Niedersachsen auch zukünftig sicherzustellen, hat die KVN eine Vielzahl möglicher Maßnahmen zur Verfügung. Die Zielgruppen sind unterschiedlich: Medizinstudierende, Ärztinnen und Ärzte in der Weiterbildung und Niederlassungsinteressierte aus anderen Bundesländern.
Sicherstellungsmaßnahmen beginnen bereits bei den Medizinstudierenden. Nicht nur die monetären Fördermöglichkeiten (Stipendien, PJ-Förderung und Famulaturförderung) sondern auch die Teilnahme der KVN an PJ-Messen, Hochschulsprechstunden sowie Studententreffen und Studierendenexkursionen zählen hierzu.
Für die Zielgruppe der Ärztinnen und Ärzte, die ihr Studium abgeschlossen haben und nun die Facharztweiterbildung beginnen, greift die Weiterbildungsförderung. Die 28 Weiterbildungsverbünde in Niedersachsen bieten zudem koordinierte Weiterbildungsabläufe für die jeweilig gewählten ambulanten und stationären Weiterbildungsabschnitte an.
Für die Ärzte, die sich in prognostizierten schlecht versorgten Regionen niederlassen wollen, bieten sich über den Strukturfonds der KVN finanzielle Fördermöglichkeiten über Investitionskostenzuschüsse für die Übernahme oder Neuerrichtung einer Praxis, die Anstellung einer Ärztin oder eines Arztes oder für die Errichtung einer Zweigpraxis an. In speziellen Fällen ist zudem zusätzlich die Gewährung einer Umsatzgarantie möglich, um die eventuell fehlenden Patientenzahlen zu Beginn einer neuen Praxis abzufedern. Die Berater der KVN stehen für alle Fragen der Förderung gerne zur Verfügung.
Der Sicherstellungsausschuss als Ausschuss der Vertreterversammlung ist ein Kernorgan der KVN, das strategische Maßnahmen zur Sicherstellung und Förderung der ambulanten vertragsärztlichen Versorgung in Niedersachsen plant – eine zunehmend herausfordernde Aufgabe.