Schwerpunkt

Versorgung 2040 - Ein Blick in die Zukunft

Strukturwandel setzt sich fort

Text: Detlef Haffke

Der Strukturwandel bei den Ärztinnen und Ärzten sowie Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten der vergangenen Jahre setzt sich auch in Niedersachsen weiter fort. Die Ärzte- und Psychotherapeutenschaft ist zunehmend ein Spiegel der Gesellschaft, die vom demografischen Wandel geprägt ist. So nähert sich eine große Zahl von ihnen dem Ruhestand. Genügend Nachwuchs ist nicht in Sicht.

Die Zahl der ambulant tätigen Ärztinnen und Ärzte sowie Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten in Niedersachsen stieg im vergangenen Jahr moderat um 0,69 Prozent um 118 Personen an. Die Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen (KVN) zählte zum 31. Dezember 2025 insgesamt 17.110 Ärztinnen und Ärzte sowie Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten.

Insgesamt sind aber weniger niedergelassene Ärztinnen und Ärzte selbständig in eigener Praxis berufstätig (2025 −0,72 Prozent zu 2024). Deren Anzahl ist in den vergangenen fünf Jahren allerdings um 6,8 Prozent zurückgegangen. Demgegenüber steht mit plus 2,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr ein erneut starker Anstieg an angestellten Ärztinnen und Ärzten im ambulanten Bereich (+25,8 Prozent seit dem Jahr 2020). Inzwischen sind 44 Prozent aller Ärztinnen und Ärzte in der ambulanten Versorgung als Angestellte in Praxen oder Medizinischen Versorgungszentren tätig.

Ärzteschaft wird weiblicher

49 Prozent der berufstätigen Ärzteschaft war zum 31. Dezember 2025 weiblich, mit weiterhin steigender Tendenz. Bei jüngeren Altersgruppen ist dieser Anteil spürbar höher.

Zu den Fachgebieten mit dem höchsten Ärztinnenanteil zählen die Gebiete „Frauenheilkunde und Geburtshilfe“ und „Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie“. Niedrige Ärztinnenanteile sind nach wie vor im Gebiet Urologie und in chirurgischen Fächern zu finden.

Anteil an Teilzeit gestiegen

Ungewiss ist, ob der Anstieg der Anzahl an Ärztinnen und Ärzten im Jahr 2025 auch mit einem Zuwachs an ärztlicher Arbeitszeit in der medizinischen Versorgung einhergeht. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes betrug die wöchentliche Arbeitszeit der Ärzteschaft im Jahr 2024 im Durchschnitt 40,3 Stunden: 46,0 Stunden in Vollzeit und 25,6 Stunden in Teilzeit. Erwerbstätige aller Berufsgruppen arbeiteten im Vergleich dazu durchschnittlich 34,4 Stunden pro Woche. Das entspricht 40,3 Stunden in Vollzeit und 20,9 Stunden in Teilzeit.

Vor diesem Hintergrund sind Bemühungen wichtig, Ärztinnen und Ärzte länger im Berufsleben zu halten, um den zunehmenden Ärztemangel in einigen Fachgebieten und in vorwiegend ländlichen Regionen einzudämmen. Das Potenzial hierfür ist beträchtlich: 35,4 Prozent der Ärztinnen und Ärzte sowie Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten sind über 60 Jahre und nähern sich dem Ruhestandsalter. Über ein Drittel der berufstätigen Ärzteschaft hatte somit das 60. Lebensjahr erreicht und wird in den kommenden Jahren aus dem Berufsleben ausscheiden. Vor diesem Hintergrund ist zu befürchten, dass sich das Tempo bei den Praxisschließungen beschleunigt, weil eine Nachfolge fehlt.

Insgesamt ist das Gesamtbild aber nicht mehr so negativ, wie noch vor fünf Jahren. 2020 war die KVN noch davon ausgegangen, dass bis zum Jahr 2035 die Anzahl der Hausärztinnen und Hausärzte um 1.500 sinken wird.

Die neuen Zahlen zeigen ein anderes Bild: In Niedersachsen werden bis zum Jahr 2040 die Anzahl der Hausärztinnen und Hausärzte prognostiziert auf 4.827 von jetzt 5.269 sinken (−442).

In der fachärztlichen Versorgung wird es starke Tendenzen in Richtung Unterversorgung in den ländlichen Planungsbereichen geben. Betroffen sind die Fachgruppen der Augenärzte, HNO-Ärzte, Hautärzte, Nervenärzte und Urologen. Davon geht die aktuelle Arztzahlprognose 2040 der KVN aus, die in dieser Ausgabe ausführlich vorgestellt wird.