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Architektur

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Umbau und Sanierung Denkmal in Schüttorf. Das Projekt finden Sie hier.

Foto: Thomas Langreder

Die Praxis (energetisch) sanieren? Darauf sollten Sie achten.

Viele Arztpraxen sind in Bestandsgebäuden untergebracht. Ein Umbau oder eine energetische Sanierung können nicht nur viel für das Klima tun, sondern auch Energiekosten der Praxis reduzieren oder bauliche Barrieren für die Patientinnen und Patienten abbauen. In jedem Fall ist ein Sanierungsfahrplan sinnvoll, um Förderungen zu nutzen und die richtigen Dinge möglichst effektiv umzusetzen. Auf was Sie achten sollten, erklärt Architektin Gabi von Allwörden.

Text: Gabi von Allwörden

Gabi von Allwörden ist Architektin und Expertin für nachhaltiges Bauen. Sie arbeitet als Referentin bei der Architektenkammer Niedersachsen

Foto: Andrea Seifert Fotografie

Zieht die Praxis in einen Neubau ein oder werden die Praxisräume gezielt neu gebaut, sind die baulichen und energetischen Vorgaben an den geltenden Klimazielen und nachhaltigen Kriterien ausgerichtet. In ambitionierten Projekten werden die gesetzlichen Vorgaben durchaus auch übertroffen, aber auch wenn nicht, der aktuell vorgeschriebene hohe Standard wird erfüllt.

Ganz anders stellt sich die Situation in Altbauten dar. Viele Arzt- und auch Psychotherapeutische Praxen befinden sich in Bestandsgebäuden, viele schon seit vielen Jahren. Hier regieren eine veraltete Gebäudetechnik und daraus resultierende hohe Energiekosten. Hinzu kommen zu enge Flure und Türen, Treppen, aber auch unzureichende Beleuchtung oder Akustik. Dies alles lässt Barrierefreiheit in weite Ferne rücken. Ein Problem nicht nur für Rollstuhlfahrende, sondern auch für eine alternde Gesellschaft im Allgemeinen.

Systematisch vorgehen

Beim energetischen Umbau im Gebäudebestand lassen sich Energieverbrauch, Funktionalität der Räumlichkeiten und Gebäudewert deutlich verbessern. Gleichzeitig ist die Sanierung häufig komplexer als ein Neubau, da bauliche, rechtliche und technische Rahmenbedingungen berücksichtigt werden müssen. Für Bauherrinnen und Bauherren empfiehlt sich daher ein systematisches Vorgehen und die frühzeitige Einbindung qualifizierter Fachleute.

Ganzheitliche Planung statt Einzelmaßnahmen

Energetische Verbesserungen sollten möglichst als Gesamtkonzept gedacht werden. Einzelmaßnahmen – etwa nur der Austausch der Heizung oder nur neue Fenster – können zu bauphysikalischen Problemen oder geringeren Energieeinsparungen als erwartet führen. Eine abgestimmte Planung betrachtet Gebäudehülle, Haustechnik und Nutzung gemeinsam. Ziel ist eine sinnvolle Reihenfolge der Maßnahmen (z. B. erst Dämmung, dann Heiztechnik).

Bestandsanalyse als Grundlage

Am Anfang steht eine gründliche Analyse des Gebäudes: Baujahr, Konstruktion, Zustand der Bauteile, Wärmeverluste und vorhandene Technik. Daraus lässt sich ableiten, welche Maßnahmen wirtschaftlich und technisch sinnvoll sind. In vielen Fällen empfiehlt sich ein individueller Sanierungsfahrplan (iSFP) durch eine qualifizierte Energieberatung.

Architekten als zentrale Koordinatoren

Architektinnen und Architekten spielen beim Umbau im Bestand eine wichtige Rolle. Sie analysieren das Gebäude, entwickeln Sanierungskonzepte, koordinieren Fachplaner und sorgen für eine baulich und gestalterisch stimmige Umsetzung. Gerade bei älteren Gebäuden, denkmalgeschützten Häusern oder komplexen Umbauten ist ihre Planungskompetenz entscheidend, um Bauschäden zu vermeiden und Fördermöglichkeiten optimal zu nutzen.

Weitere wichtige Fachleute

Je nach Umfang des Projekts sollten zusätzlich eingebunden werden:

  • Energieberaterinnen und Energieberater (z. B. für den Sanierungsfahrplan und Förderanträge),
  • Fachplaner für Heizungs-, Lüftungs- und Gebäudetechnik,
  • Tragwerksplaner, wenn bauliche Eingriffe erfolgen,
  • ggf. Denkmalpflege-Experten, wenn das Gebäude unter Schutz steht.

Gute gebaute Beispiele für Klimaschutz und Nachhaltigkeit

Die „Guten Beispiele Klimaschutz und Baukultur“ möchte Planende und ihre Bauherren motivieren, die nachhaltige Umsetzung von Klimaschutzmaßnahmen im Gebäudebestand anzugehen. Im Fokus stehen Projekte in Niedersachsen, die möglichst breit übertragbare Ansätze oder Gesamtsanierungen beschreiben. Ein baukulturell wertvoller Umgang mit vorhandener Bausubstanz steht dabei im Fokus. Weitere Informationen

Rechtliche Rahmenbedingungen

Energetische Maßnahmen müssen die Anforderungen des Gebäudeenergiegesetzes (GEG) erfüllen. Hier wird es Mitte des Jahres 2026 Änderungen geben – das GEG wird in ein Gebäudemodernisierungsgesetz (GMG) überführt. Zudem können je nach Umfang bauordnungsrechtliche Vorschriften der Bundesländer greifen. In Niedersachsen gelten beispielsweise die Regelungen der Niedersächsischen Bauordnung (NBauO), etwa bei Änderungen an der Gebäudehülle, bei genehmigungspflichtigen Umbauten oder der Umsetzung einer landesspezifischen Verpflichtung für Photovoltaikanlagen bei Dachsanierungen.

Fördermöglichkeiten nutzen

Bund und Länder unterstützen energetische Sanierungen mit verschiedenen Programmen, etwa über die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG). Eine frühzeitige Beratung hilft, Zuschüsse oder Kredite zu sichern und Maßnahmen sinnvoll zu kombinieren. Viele Förderprogramme setzen eine fachliche Planung und Baubegleitung voraus.

Herausforderung Barrierefreiheit

Barrierefreiheit – oder zumindest -armut in bestehenden Gebäuden umzusetzen, ist gerade für Arztpraxen eine Herausforderung: Stufen am Eingang, enge Türen oder kleine Aufzüge erschweren vielen Menschen den Zugang. Hilfreich sind aber oft schon überschaubare Maßnahmen wie Rampen, automatische Türen, gut lesbare Beschilderung oder Leitsysteme für sehbehinderte Menschen. Auch eine durchdachte Umgestaltung der Räume durch farbliche Akzente oder eine entsprechende Möblierung und Beleuchtung kann viel bewirken, sinnvoll ist dabei die Begleitung durch erfahrene Innenarchitekten.

Qualität der Ausführung sichern

Neben der Planung ist die sorgfältige Ausführung entscheidend. Wärmebrücken, fehlerhafte Dämmung oder falsch eingebaute Fenster können zu Energieverlusten und Feuchteschäden führen. Eine fachliche Baubegleitung und Qualitätskontrolle durch Architektinnen und Architekten oder Energieeffizienz-Expertinnen und -Experten tragen dazu bei, Risiken zu vermeiden.