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Foto: Freepik KI-Bildergenerator

Erstmals kollektiv:
Klimasensible Gesundheitsberatung

Seit 1. Oktober 2025 läuft das Pilotprojekt „Klimasensible Gesundheitsberatung“, in dessen Rahmen erstmals bundesweit eine klimasensible Beratungsleistung kollektiv abgebildet wird. Mit dieser Versorgungsinitiative nimmt die Kassenärztliche Vereinigung Bayerns (KVB) eine Vorreiterrolle ein und reagiert auf die zunehmenden Auswirkungen klimatischer Veränderungen auf die Gesundheit der Menschen und die damit einhergehenden Herausforderungen im Praxisalltag.

Text: Anna Schoberer, Eva Fischer, Kassenärztliche Vereinigung Bayerns

Der Klimawandel hat längst spürbare Auswirkungen auf die Gesundheit der Bevölkerung in Bayern. Hitzeperioden, verlängerte Pollensaisons, veränderte Infektionsmuster und steigende Belastungen durch Luftschadstoffe führen dazu, dass immer mehr Patientinnen und Patienten klimaassoziierte Beschwerden entwickeln oder bestehende Erkrankungen verstärkt auftreten. Für niedergelassene Ärztinnen und Ärzte rückt damit ein Bereich in den Mittelpunkt, der zunehmend versorgungsrelevant wird: klimabewusste, praxistaugliche Patientenberatung. Hier setzt das Pilotprojekt “Klimasensible Gesundheitsberatung“ an. Ärztinnen und Ärzte sowie Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten können im Rahmen des Projekts 50 Beratungsleistungen pro Quartal zu je 10 Euro abrechnen. Voraussetzung für die Teilnahme ist die erfolgreiche Absolvierung der Fortbildung „Klimasensible Gesundheitsberatung: Inhalte und Anwendungsbeispiele für die Patientenversorgung“.

Positive Resonanz auf das Pilotprojekt

Das Projekt stößt auf großes Interesse bei der Ärzteschaft und es kommt zur richtigen Zeit: Viele Ärztinnen und Ärzte sind sich schon lange ihrer zunehmend zentralen Rolle in der Aufklärung, Prävention und Behandlung klimabedingter Gesundheitsrisiken bewusst und integrieren dieses sensible Thema bereits in die Patientenberatung. Mit dem neuen bayerischen Pilotprojekt „Klimasensible Gesundheitsberatung“ kann diese Beratung nun systematisch und erstmals als kollektives Angebot in den Versorgungsalltag integriert und abgerechnet werden. Davon ist auch der Vorstandsvorsitzende der KVB, Dr. med. Christian Pfeiffer, überzeugt: „Mit diesem Projekt setzen wir ein klares Zeichen: Gesundheitsversorgung und Klimaschutz gehören zusammen. Das Feedback zeigt uns, dass viele unserer Mitglieder die Relevanz dieses Themas schon längst erkennen und dementsprechend handeln. Umso wichtiger ist es, klimasensible Patientenberatung zu einem festen Bestandteil der medizinischen Versorgung zu machen. Was heute als Pilotprojekt startet, kann entscheidend dazu beitragen, die Versorgung in Bayern zukunftsfähig zu machen – praxisnah, präventiv und an die gesundheitlichen Realitäten des Klimawandels angepasst.”

Foto: KVB Nadine Stegemann

„Gesundheitsversorgung und Klimaschutz gehören zusammen.“

Dr. Christian Pfeiffer, KVB-Vorstandsvorsitzender

Wissen vermitteln, Engagement honorieren

Um klimasensible Versorgung als festen Bestandteil ärztlicher Routine zu verankern, muss das Bewusstsein für die vielfältigen Zusammenhänge von Klimawandel und Gesundheit innerhalb der Ärzteschaft weiter gestärkt werden. Mit dem Angebot einer auf das Projekt abgestimmten Fortbildung in Kooperation mit der Bayerischen Landesärztekammer (BLÄK) wurde nicht nur die Qualifikationsgrundlage zur Teilnahme am Versorgungsprojekt geschaffen, sondern ein klarer Rahmen gesetzt, in dem Wissen vertieft und Handlungsempfehlungen sowie Kommunikationsstrategien erlangt werden können – immer vor dem Hintergrund, klimabedingte Gesundheitsrisiken frühzeitig zu erkennen und Patientinnen und Patienten gezielt darauf vorzubereiten. Damit wird ein bislang fehlendes Bindeglied geschaffen zwischen medizinischem Wissen über Klimafolgen und der tatsächlichen Umsetzung im Gespräch mit den Patientinnen und Patienten.

Ein zentraler Bestandteil ist dabei die vorgesehene Vergütung: Sie würdigt das bisher meist unentgeltlich erbrachte Engagement vieler Ärztinnen und Ärzte und signalisiert, dass klimasensible Beratung als fachlich relevante und ökonomisch abgesicherte Versorgungsleistung anerkannt wird.

Neue Förderung und Verlängerung

Angesichts der positiven Resonanz aus Ärzteschaft und Versorgung ist es umso erfreulicher, dass die gesetzlichen Krankenkassen einer weiteren projektbezogenen Förderung zugestimmt haben. Das Pilotprojekt kann somit bis einschließlich des 1. Quartals 2027 in Bayern fortgeführt und neue Teilnehmende eingeschlossen werden. Aktuell beteiligen sich ca. 600 Ärztinnen und Ärzte aus etwa 15 Fachgruppen am Pilotprojekt. Den größten Anteil macht hierbei mit 75 Prozent der hausärztliche Versorgungsbereich aus. Seitens der Fachärzte sind neben Gynäkologen und fachärztlichen Internisten vor allem Ärzte aus den Fachbereichen HNO und Dermatologie vertreten. Seit dem 1. April 2026 können nun auch psychologische Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten teilnehmen.

Das Pilotprojekt – bzw. das Fortbildungsangebot in Kombination mit der Abrechnungsmöglichkeit wird begleitend wissenschaftlich evaluiert. Die Teilnehmenden werden zu verschiedenen Zeitpunkten zu ihrem Verhalten und Einstellungen befragt. Erste vorläufige Ergebnisse zeigen, dass die Fortbildung die Intention, klimasensibel zu beraten, erhöht. In fast allen Bereichen kann ein Anstieg an Wissen und Kompetenz beobachtet werden.

Weitere Informationen zum Pilotprojekt finden Sie auf folgender Themenseite der KVB: Themenseite Pilotkonzept Klimasensible Gesundheitsberatung

Die Ausgabe des Mitgliedermagazin der KVB mit Themenschwerpunkt „Klimasensible Patientenversorgung“ finden Sie hier: KVB FORUM