Wir müssen uns systematisch auf klimabedingte Gesundheitsrisiken vorbereiten
Dr. med. Fabian Feil, Präsident des Niedersächsischen Landesgesundheitsamtes (NLGA)
Foto: NLGA
Die Klimakrise beeinflusst unsere Gesundheit schon jetzt direkt und indirekt. Während politische Debatten oft auf Emissionsziele und Energiesysteme fokussieren, stehen die gesundheitlichen Folgen eher wenig im Fokus. Hitze, Luftverschmutzung, Starkregenereignisse und die begünstigte Ausbreitung von Infektionskrankheiten beeinflussen bereits heute die Morbidität und Mortalität in Deutschland.
Der Blick auf die Klimakrise durch die Linse der Public Health verändert die Perspektive: Es geht nicht nur um Eisbären und Emissionskurven, sondern konkret um Patientinnen und Patienten, um Versorgungssicherheit und um soziale Gerechtigkeit. Als Niedersächsisches Landesgesundheitsamt haben wir die Bevölkerungsgesundheit im Blick, arbeiten an Projekten zum Erkenntnisgewinn mit, klären auf und sensibilisieren die Bürger*innen für die gesundheitlichen Folgen des Klimawandels, etwa über unsere Social-Media-Kanäle oder unseren Podcast. Damit komplementieren wir, was Hausärztinnen und Hausärzte sowie Facharztpraxen ohnehin vielerorts schon tun. Sie sind die erste Anlaufstelle für die gesundheitlichen Folgen der Klimakrise auf individualmedizinischer Ebene, behandeln hitzebedingte Erkrankungen, beobachten die Zunahme von Allergien und Atemwegserkrankungen durch Feinstaub sowie Pollen und reagieren auf neue Infektionsrisiken.
„Die Frage ist nicht mehr, ob wir handeln müssen, sondern wie schnell und wie konsequent.
Der Gesundheitssektor muss selbst Teil der Lösung werden.“
Dr. med. Fabian Feil
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Wir müssen uns systematisch auf diese klimabedingten Gesundheitsrisiken vorbereiten. Hierbei sind auch Praxen angesprochen. Hitzeschutz sollte in jeder Praxis mitgedacht werden. Digitale Frühwarnsysteme und regionale Netzwerke können helfen, vulnerable Gruppen – etwa ältere Menschen, Schwangere oder chronisch Erkrankte – rechtzeitig zu schützen. Gleichzeitig genießen die Niedergelassenen ein hohes Vertrauen in der Bevölkerung – eine Chance, um im direkten Gespräch über gesundheitliche Risiken des Klimawandels aufzuklären und Verhaltensänderungen zu fördern. Klimamedizin gehört in die Ausbildung aller Gesundheitsberufe und in die kontinuierliche Fortbildung. Nur wenn medizinisches Personal die Zusammenhänge zwischen Umweltveränderungen und Gesundheit versteht, kann es angemessen reagieren und sogar präventiv handeln. Der ambulante Bereich nimmt dabei eine wesentliche Rolle ein.
Die Frage ist nicht mehr, ob wir handeln müssen, sondern wie schnell und wie konsequent. Der Gesundheitssektor muss selbst Teil der Lösung werden. Durch nachhaltige Beschaffung, digitale Prozesse und klimafreundliche Mobilität können wir unseren CO₂-Fußabdruck reduzieren.
Wenn wir als Teil des Gesundheitssystems unserer Verantwortung gerecht werden wollen, müssen wir die Klimakrise als das begreifen, was sie ist: Eine wachsende Herausforderung mit langfristigen Folgen, die wir noch immer unterschätzen. Gemeinsam müssen wir dranbleiben – im Bereich Public Health, in stationären Kliniken, in den Praxen vor Ort.