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Einführung

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Nachhaltigkeit im Gesundheitswesen

Text: Detlef Haffke

Akute geopolitische Konflikte wie Kriege (Ukraine, Iran) und wirtschaftliche Krisen drängen Umweltfragen oft von der politischen Tagesordnung. Die Priorisierung von Energiesicherheit und Verteidigung führt dazu, dass langfristige Klimaziele und Umweltschutzmaßnahmen sekundär behandelt werden, obwohl der Klimawandel selbst als Verstärker für Konflikte wirkt und umgekehrt.

Wir sollten das Thema aber nicht aus den Augen verlieren. Denn die Diskussion über Nachhaltigkeit im Gesundheitswesen ist längst nicht mehr nur ein Nischenthema, sondern steht im Zentrum aktueller Debatten. Doch was ist mit „Nachhaltigkeit“ im gesundheitspolitischen Kontext wirklich gemeint?

Nachhaltigkeit im Gesundheitswesen geht weit über die ökologische Dimension hinaus. Nachhaltigkeit im Gesundheitswesen umfasst ökologische, wirtschaftliche und medizinische Aspekte. Dabei geht es auch immer um Zielkonflikte: Einmal-Instrumente oder Sterilisation? Packungsbeilagen auf Papier oder digital?

Und wer bezahlt Investitionen in ein nachhaltiges Gesundheitswesen? Die Krankenkassen, der Staat bzw. der Steuerzahler oder gelingt die Finanzierung über Steuermodelle?

Auch Patientinnen und Patienten sind gefragt. Fahre ich mit meinem PKW zur Arztpraxis, nutze ich den Elektrobus oder reicht eine telemedizinische Konsultation?

Nachhaltigkeit im Gesundheitswesen ist also häufig kein Wert an sich, sondern hat einen Preis, den wir möglicherweise an anderer Stelle – finanziell, medizinisch – wieder bezahlen müssen. In diesem Spannungsfeld leben und handeln alle Akteure im Gesundheitswesen.

Tatsache ist aber, dass Klimawandel und Ressourcenverknappung das Gesundheitswesen unter wachsenden Druck setzen. Große Arztpraxen und besonders Krankenhäuser gehören zu den großen Energieverbrauchern im Rahmen der Patientenversorgung und tragen so selbst zur Umweltbelastung bei. Ein nachhaltiges Gesundheitswesen muss diesen Kreislauf durchbrechen. Dies bedeutet mehr als energieeffiziente Gebäude.

Es geht darum, ressourcenschonende Prozesse in den Praxisalltag zu integrieren, den CO₂-Fußabdruck von Medikamenten zu reduzieren und den Einsatz von Einwegprodukten zu überdenken.

Aber auch präventive Maßnahmen für die Menschen in unserem Land gehören zu einem nachhaltigen Gesundheitswesen. Über klimabedingte Gesundheitsbelastungen wie Hitzewellen oder zunehmende Allergien müssen die Bürgerinnen und Bürger frühzeitig aufgeklärt werden. Prävention spielt hier eine wesentliche Rolle.

Wir wünschen Ihnen daher bei dieser Ausgabe des kvn.magazins eine erkenntnisreiche Lektüre. Wir hoffen, Ihnen mit den Reportagen, Interviews und Infobeiträgen einige spannende Stationen auf dieser Reise in ein nachhaltiges Gesundheitswesen aufzuzeigen.