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Arzneimittel

Foto: shvetsa | pexels

Arzneimittel und ihre Rückstände in der Umwelt

Die Verschreibung von Medikamenten hat Auswirkungen nicht nur (positive) auf die Patienten, auch (negative) auf die Umwelt. Mehr Bewusstsein und Aufmerksamkeit können in der täglichen Praxis viel zur Nachhaltigkeit beitragen.

Dieser Text ist eine Zusammenfassung von Texten des Umweltbundesamts unter www.umweltbundesamt.de

Arzneimittel sind für die menschliche Gesundheit unverzichtbar. Jedoch führen der hohe Verbrauch sowie der teilweise unkritische Umgang mit Arzneimitteln zu einer Zunahme von schädlichen und oft langlebigen Rückständen in der Umwelt. Um Gewässer und Böden als Lebensraum und Trinkwasserressource zu schützen, muss der Eintrag von Arzneimittelrückständen in die Umwelt begrenzt werden.

Viele Arzneistoffe werden in veränderter (metabolisierter) Form und zum Teil unverändert vom menschlichen Körper wieder abgegeben und gelangen über die Ausscheidungen sowie durch Abwaschen nach Anwendungen auf der Haut über das Abwasser in die Kläranlagen. Auch die unsachgemäße Entsorgung nicht verbrauchter Medikamente über Abfluss und Toilette trägt dazu bei.

Kläranlagen können nicht alle im Abwasser enthaltenen Substanzen zurückhalten. Das gereinigte Wasser enthält oft noch Arzneimittelrückstände, die mit dem Kläranlagenablauf in die Gewässer gelangen. Dort stellen sie eine Gefahr für Lebewesen wie Fische, Algen, Amphibien und viele weitere dar. Zum Beispiel beeinträchtigt der künstliche hormonelle Wirkstoff der Verhütungspille (17α-Ethinylestradiol) bereits in sehr niedrigen Konzentrationen die Vermehrungsfähigkeit von Fischen und Amphibien.

Patientinnen und Patienten aufklären

Patientinnen und Patienten können helfen, negative Umwelteffekte von Arzneistoffen zu vermeiden. Für den Schutz von Mensch und Umwelt sollten abgelaufene oder nicht mehr benötigte Medikamente im Haushalt umweltgerecht entsorgt werden. In Deutschland werden regional unterschiedliche Entsorgungsoptionen für Altmedikamente angeboten. Am häufigsten wird die Entsorgung über die Hausmülltonne oder Schadstoffsammelstellen empfohlen. Unter www.arzneimittelentsorgung.de kann über die Postleitzahl abgefragt werden, welche Entsorgungswege lokal empfohlen werden. Überall gilt jedoch: Medikamente niemals über Toilette oder Spüle entsorgen!

Um die Aufklärungsarbeit zu Umweltaspekten von Arzneimitteln zu unterstützen, hat das Umweltbundesamt eine Reihe von z. T. mehrsprachigen Informationsmaterialien entwickelt. Dazu zählen Faltblätter, Poster, Postkarten und ein Geburtstagskalender, aber auch freie Texte und Bilder, die in der eigenen Praxis verwendet werden können.

Die Materialen dienen vorrangig der Information von Patientinnen und Patienten. Sie können über die Website des Umweltbundesamtes kostenfrei bestellt oder heruntergeladen werden.

Ärztliche Verschreibungspraxis hinterfragen

Durch die Integration umweltorientierter Ansätze in die ärztliche Verschreibungspraxis können Medizinerinnen und Mediziner aktiv dazu beitragen, den Eintrag von Arzneistoffen in die Umwelt zu verringern selbstverständlich ohne die Gesundheit der Patienten und Patientinnen zu gefährden oder die ärztliche Therapiefreiheit einzuschränken.

Ein Ansatzpunkt liegt in der Vorsorge und in der Stärkung aller Körpersysteme und des Immunsystems. Hierbei geht es vor allem um präventive Maßnahmen wie Impfungen, Bewegung auf Rezept, Einladung zu Vorsorgeuntersuchungen und Ernährungsberatung. Zudem können nicht-medikamentöse Behandlungen in Erwägung gezogen werden, sofern dies möglich und angemessen ist. Es versteht sich von selbst, dass es auch die Umwelt schont, wenn Über- und Fehlverschreibungen vermieden werden. Dies kann durch sehr gründliches Vorgehen bei der medizinischen Diagnostik und Behandlung erreicht werden.

Darüber hinaus bietet die Verschreibung alternativer Applikationsformen eine Möglichkeit, die Menge an Wirkstoffen, die in die Umwelt gelangen, zu verringern. Die Verwendung von Wirkstoffen, die besser in Kläranlagen und in der Umwelt abgebaut werden können oder eine geringere Umwelttoxizität aufweisen, ist ein weiterer Ansatzpunkt. Auch die Verschreibung kleiner Packungsgrößen kann dazu beitragen, das Entstehen von zu entsorgenden Arzneimittelresten zu verringern.

Kritische Stoffe

Als sehr umweltkritisch werden Stoffe mit sogenannten PBT-Eigenschaften eingestuft. Solche Stoffe

  • sind schwer abbaubar und somit langlebig in der Umwelt (persistent),
  • reichern sich in Organismen an (bioakkumulierend) und
  • sind giftig für Menschen und/oder Umweltorganismen, krebserregend oder in das Hormonsystem eingreifend (toxisch).

PBT-Stoffe sollten aufgrund dieser Eigenschaften nicht in die Umwelt gelangen. Sie stellen unabhängig von ihrer Konzentration immer eine Gefahr dar und langfristige Auswirkungen auf Mensch und Umwelt sind schwer vorhersagbar. Das trifft generell auch für Arzneistoffe mit PBT-Eigenschaften zu. Bisher sind nur sehr wenige Wirkstoffe bekannt, die hierunter fallen.

Die gemessenen Konzentrationen der Arzneimittelwirkstoffe in der Umwelt liegen in der Regel unterhalb der therapeutischen Dosen der Arzneimittelprodukte. Damit ist jedoch für die Umwelt keine Entwarnung gegeben. Denn obwohl Arzneimittel zu den humantoxikologisch am besten untersuchten Stoffen zählen, sind die ökotoxikologischen Folgen der vergleichsweise geringen, dafür jedoch permanenten, Belastung der Gewässer und des Bodens mit Arzneistoffen vielfach unbekannt.