Epilog

Kommentar

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Wie viel ist uns Nachhaltigkeit wert?

Text: Thorsten Schmidt

Thorsten Schmidt, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen

Foto: Nils Hendrik Müller

Im Jahr 2015 beschlossen die Vereinten Nationen die Agenda 2030. Kernstück dieser Vereinbarung sind 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung, die sogenannten Sustainable Development Goals, die bis zum Jahr 2030 erreicht werden sollen. An Position drei dieser Ziele stehen Gesundheit und Wohlergehen. Insofern muss man konstatieren, dass das Thema Nachhaltigkeit auch die niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte sowie die Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten angeht. Auch wenn Themen der Nachhaltigkeit und Ökologie in der gegenwärtig von Krisen geschüttelten Welt an den Rand gedrängt werden, heißt das nicht, dass sie unbedeutend geworden wären. Gerade der Klimawandel ist eine Krise, die massiv auf unser Gesundheitssystem und auf die ambulante Versorgung zukommen wird – beziehungsweise uns im Sommer bei Hitze bereits trifft.

Global denken – lokal handeln

Global denken, lokal handeln so lautet das Motto, wenn es um die Umsetzung der 17 UN-Nachhaltigkeitsziele geht. Genau dieser Ansatz ist es auch, den Sie in Ihren Praxen anwenden können. Heißt konkret, nicht nur schauen, was andere tun beziehungsweise nicht tun, oder auf die Politik warten, sondern das angehen, was man selbst im unmittelbaren persönlichen und lokalen Umfeld bewegen möchte. Was Praxen im Einzelnen tun können – vom Senken des Energieverbrauchs über bauliche Maßnahmen bis hin zur nachhaltigen Verschreibung von Medikamenten konnten Sie in dieser Ausgabe des kvn.magazins ausführlich nachlesen. Unser Schwerpunkt zeigte viele Facetten auf und gab zahlreiche Tipps. Ich freue mich, dass wir diesen Aspekten auch gegen den gegenwärtigen Trend einmal den nötigen Raum eingeräumt haben.

„Meine Bitte ist ganz einfach:
Nehmen wir Nachhaltigkeit ernst.“

Thorsten Schmidt

Wirtschaftlichkeit vs. Nachhaltigkeit

Nun sagen Sie vielleicht, alles schön und gut, aber wer bezahlt mir Nachhaltigkeit, wenn ich gleichzeitig meine laufenden Praxiskosten decken muss, was schwer genug ist.

Sicher, wenn Sie eine Wärmepumpe einbauen oder Wärmeschutz vor Ihren Fenstern installieren, kostet das Geld. Diese Investitionen amortisieren sich mitunter erst nach einigen Jahren. Ob sich das für Sie und Ihre Praxis unterm Strich lohnt, müssen Sie individuell ausrechnen und entscheiden. Eine Reihe von Fördermitteln kann Ihnen die Entscheidung erleichtern – beispielsweise wird der Einbau einer Wärmepumpe derzeit noch immer über die staatliche KfW-Bank bezuschusst. Ökologische und ökonomische Ansprüche müssen also gegeneinander abgewogen werden – und an erster Stelle muss dabei natürlich immer die medizinische Versorgung stehen.

Jedoch kosten viele Maßnahmen hin zu mehr Nachhaltigkeit wenig oder gar nichts. Stromfresser aufzuspüren und auszuschalten, kostet Mühe, genau wie eine konsequente Mülltrennung, Digitalisierung frisst zwar Geld und Nerven, hilft Ihnen aber bei der täglichen Praxisorganisation und spart neben Zeit auch teures Papier und Druckerpatronen. Und wenn Sie ohnehin die Praxisräume neu streichen müssen, können Sie über ökologische Farben nachdenken und auch über den Raumeindruck, den sie kreieren und der Ihre Patientinnen und Patienten ebenso wie Ihre Mitarbeitenden positiv und damit nachhaltig beeinflussen kann. Nachhaltigkeit hat immer drei Perspektiven: Ökologie, Ökonomie und Soziales.

Es gibt also immer die großen und die kleinen Dinge, die wir alle tun können. Jede und jeder kann dabei nach seinem eigenen Anspruch und Geldbeutel vorgehen. Meine Bitte ist ganz einfach: Nehmen wir Nachhaltigkeit ernst – und warum fangen wir nicht einfach bei uns an?