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Interview

Mehr Digitalisierung wagen

Der Vorsitzende der KVN-Vertreterversammlung, Hausarzt Dr. Eckart Lummert und Facharzt Dr. Bernd-Michael Altevogt sprechen über die Kommunikation zwischen Haus- und Fachärzten, die Zukunft des Hausarztvermittlungsfalls und die Schnittstellen in den stationären Sektor. Ist mehr Digitalisierung die Lösung?

Interview: Lars Menz — Fotos und Videos: publish!

Wie optimieren wir die Kommunikation zwischen Haus- und Facharztpraxen?

Dr. Eckart Lummert ist Hausarzt mit Praxis in Uetze. Er ist Vorsitzender der Vertreterversammlung der KVN und 2. stellvertretender Vorsitzender des Hausärztinnen- und Hausärzteverbandes Niedersachsen.

Herr Dr. Lummert, funktioniert die Schnittstelle zwischen Haus- und Facharztpraxis reibungslos, wenn Sie eine Patientin oder einen Patienten überweisen?
Lummert: Wenn ich nach einer gründlichen Untersuchung einen Patienten zum Facharzt überweisen möchte, nehmen wir Kontakt auf, beispielsweise zu einer Hals-Nasen-Ohren-Praxis vor Ort. Das funktioniert sehr gut. Die MFA kommunizieren innerhalb weniger Minuten über eine spezielle Telefonnummer, die wir von dieser Praxis haben. Es wird geklärt, warum ich den Patienten zügig vorstellen möchte und dann erhält er in aller Regel innerhalb weniger Tage einen Termin.

Bieten Sie als Facharzt auch eine spezielle Telefonnummer für Hausärztinnen und Hausärzte, Herr Dr. Altevogt?
Altevogt: Ja, wir halten eine direkte Durchwahl für die Hausärzte vor und rufen auch umgehend zurück. Bei gut bekannten Kolleginnen und Kollegen gibt es weitere Kommunikationswege wie E-Mail oder Messenger-Dienste. Andersherum muss ich sagen, dass ich keine direkte Durchwahlnummer zu den Hausärzten habe. Meine Mitarbeiterinnen stellen dann den Kontakt zur betreffenden Praxis her und bitten um einen Gesprächstermin.

Stichwort Hausarztvermittlungsfall. Entfaltet das System Wirkung?
Lummert: Als der Hausarztvermittlungsfall 2023 eingeführt wurde, habe ich mich mit verschiedenen regionalen haus- wie fachärztlichen Kollegen, unter anderem mit unserem Kreisstellenvorsitzenden, intensiv abgestimmt. Per Brief haben wir alle niedergelassenen Haus- und Fachärzte gefragt, wer an dieser Form der Überweisung teilnehmen möchte und darum gebeten, eine Internetadresse oder eine Telefonnummer zu hinterlegen. Das hat sehr gut funktioniert, etwa 80 Prozent aller Kolleginnen und Kollegen haben positiv reagiert.

Sollten die Facharztpraxen extra Termin-Slots für den Hausarztvermittlungsfall einstellen?
Lummert: Das Ziel sollte immer eine kollegiale Zusammenarbeit sein, die direkte Absprachen ermöglicht und zeitnahe Überweisungen für unsere Patientinnen und Patienten schafft. Auch der Service der 116117 ist hierfür ein gut geeignetes Instrument. Dabei wäre hilfreich, wenn die Kolleginnen und Kollegen die eingestellten TSS-Termine auch für Hausarztvermittlungsfälle freigeben. TSS-Fall und Hausarztvermittlungsfall werden ja beide gesondert vergütet. Beim Hausarztvermittlungsfall – das finde ich interessant ist übrigens die No-Show-Rate geringer.

„Der Hausarztvermittlungsfall wird unsinnig, wenn er für die Routine genutzt und als wirtschaftlicher Vorteil gesehen wird, es geht ja um die medizinische Indikation.“

Dr. Eckart Lummert

Dr. med. Bernd-Michael Altevogt ist Kardiologe mit Praxis in Hannover. Er ist Mitglied der Vertreterversammlung der KVN und stellvertretender Vorsitzender im Beratenden Fachausschuss Fachärzte der KVN.

Der Hausarztvermittlungsfall verursacht organisatorischen Aufwand, gleichzeitig ist er lukrativer als der einfache Überweisungsfall. Ist der Hausarztvermittlungsfall das neue Normal?
Lummert: Der Hausarztvermittlungsfall wird unsinnig, wenn er für die Routine genutzt und als wirtschaftlicher Vorteil gesehen wird, es geht ja um die medizinische Indikation. Die Fachärztin oder der Facharzt, der neben seinen Routine- und Akutpatienten einen akuten Fall vom Hausarzt bekommt, arbeitet mehr, verhindert vielleicht damit aber auch eine Einweisung ins Krankenhaus. Dass dieser Fall extrabudgetär bezahlt wird, finde ich fair.
Altevogt: Der mit deutlich besserer Vergütung hinterlegte Hausarztvermittlungsfall macht auf jeden Fall Sinn. Dadurch, dass diese Leistungen entbudgetiert sind, bekommen die Fachärzte die tatsächliche Leistungsvergütung des EBM. Wir sind daher auch immer an den Hausarztvermittlungsfällen interessiert und halten dafür Termine frei – das kann mit den TSS-Fällen durchaus 20 Prozent der Termine ausmachen. Diese Termine fallen an anderer Stelle natürlich wieder weg, zum Beispiel für geplante Verlaufskontrollen oder weiteren Terminanfragen. Grundsätzlich müssen die Hausarztvermittlungsfälle konsequent und mit klaren Absprachen erfolgen. Diagnose, Befundbericht und Empfehlung müssen dann auch zeitnah wieder zurück zum Hausarzt.

Den Krankenkassen, die bereits die Abschaffung des Haushaltsvermittlungsfalls aus Kostengründen fordern, würden Sie also Kontra geben.
Lummert: Auf jeden Fall. Schafft man ihn ab, kommen deutlich mehr Einweisungen zustande oder erst langfristige Terminvereinbarungen. Und die stationäre Behandlung ist um ein Vielfaches teurer als die ambulante.
Altevogt: Wenn die erbrachten Leistungen seitens der Krankenkassen immer entsprechend des EBM vergütet würden, bräuchten wir hierfür auch keine zweite Ebene mit TSS und Hausarztvermittlungsfall.

Welche Informationen geben Sie den Patienten mit auf den Weg, wenn sie vom Haus- zum Facharzt gehen?
Lummert: Grundsätzlich sollte jeder Hausarzt, der einen Patienten mit einem spezifischen Problem zum Facharzt schickt, möglichst viele Vorbefunde mitgeben, die mit dem Problem zu tun haben, damit der Facharzt nicht unnötige Doppeluntersuchungen macht und Zeit verliert, die er anderen Patienten schenken könnte.

Ist nicht die ePA, der Weg der Zukunft, um Informationen auszutauschen?
Lummert:
Der gegenwärtige Weg ist natürlich antiquiert. Wir sind daher großer Hoffnung, dass wir die ePA bald besser nutzen und Labor oder Bildgebung dort abgelegen können. Dann müssten wir uns nicht mehr die Mühe machen, so viel auszudrucken. Gleichwohl gilt es zu bedenken, dass die ePA eine patientengeführte Akte ist. Wir können also nur einstellen, was die Patientinnen und Patienten auch erlauben.
Altevogt: Die digitale Kommunikation zwischen uns Ärzten muss einfacher möglich sein. Wenn wir in der Lage sind, Befunde in die ePA einzustellen, Arztberichte, EKG, Echobefund und so weiter, wäre das ein großer Vorteil. Und auch im Krankenhaus wären die Arbeitsabläufe schlanker, wenn die ePA dort nutzbar würde.
Lummert: Also, solange die Digitalisierung noch nicht komplett genutzt werden kann, weil die ePA noch nicht so weit ist – und weil vielleicht auch noch nicht jede Praxis gleich gut digital angebunden ist – wäre es wünschenswert, wenn die Praxis-Telefonnummern bekannt sind, über die MFA kurzfristig miteinander kommunizieren und Patienten annehmen können, die einer zügigen Hilfe bedürfen. Dann können wir den Hausarztvermittlungsfall sinnvoll leben und eine gute Kommunikation zwischen Facharzt und Hausarzt ermöglichen.

Ist der KIM-Dienst eine Hilfe?
Altevogt: Wir erhalten von einigen Kollegen KIM-Briefe und versenden auch selbst per KIM. Das spart eine ganze Menge Aufwand. Am Anfang dachte ich, das sei umständlich, ist die KIM-Adresse aber bekannt und so hinterlegt, wie die Telefonnummer vom Hausarzt, ist es für die Mitarbeiterin ein guter Weg, den Brief über KIM rauszuschicken.
Lummert: Nur was manchmal traurig für Hausärztinnen und Hausärzte ist, dass wir viel Informationen mitgeben, aber bis heute – und obwohl es KIM gibt – leider viele Kolleginnen und Kollegen keinen Bericht erstellen und wir dann natürlich auch in der Weiterbehandlung nicht vorankommen.
Altevogt: Es ist doch so: Aufgrund des hohen zeitlichen Drucks, den wir alle spüren, fällt die Berichterstellung manchmal unter den Tisch oder die Berichte sind sehr kurz. Ich kenne Arztbriefe die sind nur eine Seite lang. Oben die Diagnose, unten die Empfehlung. Und das war's. Das hilft Ihnen, Herr Lummert, als Hausarzt und anderen weiterbehandelnden Kolleginnen und Kollegen nicht. Auch in unserer eigenen Fachgruppe, wenn ein Patient zum Beispiel den Kardiologen wechselt, wären Vorbefunde äußerst hilfreich. Kommt der Patient nur mit einem rudimentären Bericht, fange ich eigentlich bei null an, da ich nichts vergleichen kann. Besser sind immer Vorbefunde. Damit können wir viel schneller auf Fragen reagieren und Entscheidungen treffen.
Lummert: Bei jeder Kommunikation von Fachärzten und Hausärzten müssen wir einen verbindlichen Weg finden, damit Informationen schnell zur Verfügung stehen. Wichtige Befunde müssen einfach digital fließen, am besten über die ePA oder auch durch KIM.
Altevogt: Das sehe ich auch so. Das Wichtigste in der Kommunikation muss doch sein, dass klar ist, welche Diagnosen und welche Therapien für den Patienten als Nächstes anstehen – und die müssen zeitnah übermittelt werden. Das sollte für alle Kolleginnen und Kollegen der Anspruch sein. Je besser wir Fachärzte dabei sind, desto mehr sind auch die Hausärzte für uns da.
Lummert: So ist es. Ich sage jedem Patienten, den ich zum Facharzt schicke, grüß schön und sag besten Dank. So wie man in den Wald rein ruft, so schallt es in aller Regel auch wieder heraus.

Wie hoch schätzen Sie den Grad der Digitalisierung mittlerweile ein?
Lummert: Ich würde sagen, da stehen wir immer noch bei 70 Prozent Telefon. Leider! Wobei gerade in den letzten Monaten der digitale Anteil zugenommen hat, da es immer mehr Facharztpraxen schaffen, digitale Termine einzustellen.

Sie beide sind Verfechter der Digitalisierung, aber das Telefon ist weiterhin das Kommunikationsinstrument Nummer Eins?
Lummert: Noch, ja. Der Vorteil des Telefons ist nach wie vor, dass es von den MFA schlicht gehört wird, während eine Mail stumm daliegt, bis sie irgendwann erkannt wird.
Altevogt: Das ist tatsächlich so. Ich rufe die zuweisenden Hausärzte an, wenn eine wichtige Therapieentscheidung ansteht und wir gemeinsam entscheiden müssen, wie es weitergeht. Die Digitalisierung hilft dabei, aber ich erhalte kein unmittelbares Feedback. Maile ich jemanden an, weiß auch ich nicht, ob und wann die Mail gelesen, und ob und wie reagiert wird. Am Telefon geht das bisher noch schneller und effektiver und der Punkt ist abgehakt.
Lummert: Gibt es aber keine Spezialnummer, muss eine MFA unserer Praxis, die eigentlich ganz andere Aufgaben hat, versuchen Kontakt mit der Facharztpraxis aufzunehmen. Das kostet unendlich viel Zeit, auch weil wir in diesem Fall mit den Patienten um die freie Telefonleitung konkurrieren. Das schafft jede Menge Frust.
Altevogt: Um all das zu verbessern, müssen auch die Schnittstellen zwischen den einzelnen Praxisverwaltungssystemen besser werden, nur dann können wir schneller digitale Befunde übernehmen, und hoffentlich auch, ohne dass umständlich umformatiert werden muss.

„Wir machen in Deutschland einfach sehr viele Doppeluntersuchungen, was auch daran liegt, dass die Kommunikation an vielen Stellen schleppend läuft

Dr. med. Bernd-Michael Altevogt

Wie läuft die Kommunikation in Richtung stationärem Sektor?
Lummert:
Schaut man sektorenübergreifend, ist die Kommunikation im ambulanten Bereich hervorragend, aber die Krankenhäuser kennen in der Regel überhaupt gar keine elektronischen Kommunikationswege, die verlangen immer noch nach Fax.
Altevogt: Das ist richtig, dennoch funktioniert die Schnittstelle von uns zu den Kliniken gut.

Und andersherum?
Altevogt: Andersrum, wenn die Patienten aus dem Krankenhaus entlassen werden, bekommen sie teils unvollständige Entlassungsberichte mit, in denen jedoch steht, was alles in der nächsten Zeit kontrolliert und gegebenenfalls ambulant weiter abgeklärt werden sollte. Dann ist unter anderem der Hausarzt in der Not, zu entscheiden und schickt den Patienten im Zweifelsfall an die Fachärzte weiter. Wir machen in Deutschland einfach sehr viele Doppeluntersuchungen, was auch daran liegt, dass eben die Kommunikation an vielen Stellen schleppend läuft – manche Arztberichte aus den Krankenhäusern erreichen uns erst Monate später, da haben wir den Patienten vielleicht schon mehrmals gesehen, ohne dass wir Zugriff auf irgendwelche Zwischenbefunde hatten. Und es kommt noch hinzu, dass viele Patienten, die aus dem Krankenhaus entlassen werden, leider über ihre Erkrankung und wie es mit der Therapie weitergeht, nicht gut aufgeklärt sind.

Die gehen dann erneut zum Haus- oder gleich zum Facharzt, um sich zu informieren?
Altevogt: Natürlich. Das ist ein wesentlicher Kritikpunkt. Die Aufklärung wird in die ambulante Medizin verschoben und das ist nicht gut. Im Krankenhaus sitzen die Fachleute, die den Befund erstellt und eine Idee davon haben, wie es weitergeht. Das muss mit den Patienten besser besprochen werden – die kann man nicht mit Halbwissen entlassen.
Lummert: Die Patienten sind wirklich sehr dankbar dafür, wenn man sich die Zeit nimmt, fachärztliche Befunde zu erklären. Das bindet Patienten auch und hilft, dass eine bessere Therapietreue erfolgt, also eine hohe Compliance entsteht. Aber nochmal zurück zur Klinik: Die fehlende Digitalisierung der Kliniken ist ein echtes Problem.

Was müsste geschehen?
Lummert: Der Druck, der bei uns im ambulanten Bereich bis hin zu wirtschaftlichen Regressen aufgebaut worden ist, blieb im Krankenhaus aus. Ich glaube, dass Krankenhäuser genauso schnell und gut angebunden werden könnten, wenn man es verpflichtend macht und auch mit Sanktionen versieht, sollte die Digitalisierung nicht gelebt werden. Das halte ich auch für zumutbar, wir mussten ja damit auch umgehen.
Altevogt: Die teils unzureichende und unvollständige Kommunikation zwischen den Kliniken und uns Niedergelassenen müssen wir immer wieder ansprechen und wir müssen auf die Chefärztinnen und Chefärzte zugehen und intelligentere Lösungen fordern müssen einfach moderner sein und mehr Digitalisierung wagen. Die digitalen Schnittstellen müssten dafür aber auch technisch besser funktionieren.
Lummert: Ich persönlich wäre schon froh, wenn wir uns auf einige wenige Wege oder sogar nur eine Art der elektronischen Kommunikation einigen würden. Die unendlich vielen PVS machen das schwer. Dennoch: möglichst ein System, das für alle verbindlich ist und dann auch funktioniert, als ganz viele, wo eigentlich gar nichts klappt.

Schleppende Digitalisierung, fehlende Aufklärung und Berichte, verunsicherte Patienten, Mehrarbeit für Ärztinnen und Ärzte. Warum ist es so schwierig funktionierende Schnittstellen zu schaffen?
Altevogt: Das Fatale an unserem System ist, dass die Krankenversichertenkarte eine Art Flatrate suggeriert. Ich kann überall damit auflaufen, es wird überall Leistung und damit hoher wirtschaftlicher Aufwand erbracht. Manche Patienten kommen zu mir, nachdem sie sich selber eine Fülle von Facharztterminen gemacht, zum Teil sogar mehrere fachgleiche Fachärzte besucht haben und bringen nicht mal Befunde mit. Spiegele ich das den Patienten, verstehen die oftmals noch nicht einmal die Kritik. Wir müssen eine bessere Patientensteuerung bekommen. Der Hausarztvermittlungsfall kann da nur ein erster Schritt sein. Das Primärarztsystem wird angedacht.
Lummert: Über den Haus- oder den Kinderarzt zum Facharzt das wäre eigentlich der richtige Weg und eine Riesenentlastung fürs gesamte System. Es ist nicht zu wenig Geld vorhanden, es wird nur wahllos vom Patienten abgerufen. Und das ist fatal. Was wir machen, ist furchtbar teuer und relativ ineffektiv. Die Politik in anderen Ländern war mutig und hat eine Steuerung umgesetzt. Dort wird genau gesagt, wie der Weg im Gesundheitssystem verläuft, wo man beginnt, und wie man weiter gesteuert wird. Wenn auch wir priorisieren und steuern, können wir viel Geld einsparen und unnötige Arbeiten beim Facharzt unterlassen.
Altevogt: Richtig, die Frage ist ja, ob ich bei jedem Zipperlein gleich zum Facharzt muss. Da ist einfach in den letzten 20 Jahren ein großes Anspruchsdenken entstanden. Es wäre also gut, steuerte da einer. Wir müssen das Gesundheitssystem einfach anders aufstellen. Wir versuchen immer Probleme mit neuen Regeln, mit neuen Gesetzen zu lösen, und sehen erst nach zwei, drei Jahren, dass es doch nichts gebracht hat. Am Ende sind zigtausend Patienten unzufrieden, weil sie nicht den Termin kriegen, den sie gerne sofort haben wollen.

Die Kommunikation an den verschiedenen Schnittstellen läuft überwiegend über die MFA. Wie wichtig ist diese Funktion für einen guten Ablauf?
Lummert: Die MFA sind natürlich die ersten Ansprechpartnerinnen, wenn Patienten in die Praxis kommen, oder Termine vermittelt werden. Das heißt, sie sind ganz entscheidend.

Und wie sensibilisieren Sie MFA, um die Kommunikation und Organisation Ihrer Praxis zu optimieren?
Altevogt: Die MFA lernen im Rahmen ihrer Ausbildung wie die Kommunikation mit den anderen Praxen und den Patienten bestmöglich gelingt. Für diesbezügliche Schulungsmaßnahmen nutzen wir auch Angebote der KV. Mir ist dabei noch ein Aspekt wichtig, denn gerade die Schnittstelle MFA zu den Patienten wird ja schwieriger. Ich meine unter anderem die zunehmende Aggressivität, die wir auch bei uns in der Praxis beobachten. An dieser Stelle macht mehr Fortbildung Sinn, damit die MFA lernen können, wie sie in der einen oder anderen Situation und mit einem auffälligen Patienten umgehen können. Das Thema belastet die MFA und deren Sorgen müssen wir auf jeden Fall ernst nehmen. Das Personalproblem ist ja sehr akut. In der Stadt haben wir zwar derzeit noch eine gute Situation. Doch irgendwann wird uns mangelnder Nachwuchs auf die Füße fallen, achten wir nicht rechtzeitig darauf, Nachwuchs zu motivieren, die Ausbildung zur MFA zu wählen. Es ist ja ein schöner Beruf, gerade auch weil er so kommunikativ ist.
Lummert: Will man MFA an die Praxis binden und mit ihnen ein gutes, partnerschaftliches Verhältnis pflegen sowie die Motivation erhöhen, gerne zur Arbeit zu kommen, muss man heutzutage regelmäßig mit den Einzelnen, aber auch im Team reden oder auch am Ende des Arbeitstages mal zusammen eine Tasse Kaffee trinken. Man muss Fehler benennen, fragen, was läuft im Moment nicht gut – und Fehler laufen nicht nur bei den MFA auf, sondern auch bei uns Ärztinnen und Ärzten. Stress verändert die Art der Kommunikation miteinander. Das Allerwichtigste in jeder Praxis ist also, egal ob fachärztlich oder hausärztlich, dass die Empathie stimmt.

Geht durch die Digitalisierung der persönliche Austausch mit den Kolleginnen und Kollegen verloren?
Lummert: Ja, durchaus. Früher sah man sich öfters, hat regelmäßig gemeinschaftlich auch Fortbildungen gemacht. Das ist vielleicht ein bisschen der Nachteil der Digitalisierung, dass der Austausch weniger geworden ist.
Altevogt: Ich glaube, wir haben uns alle etwas auseinandergelebt, da wir alle vor allem den Job und dann auch die Freizeit sehen. Selbst unter uns Kardiologen, gelingt es kaum noch, uns untereinander auszutauschen.

Sind Qualitätszirkel eine Möglichkeit, Kontakte zu pflegen?
Altevogt: Sicherlich sind sie das. Ich moderiere einen Qualitätszirkel, bei dem ich gemeinsam mit Hausärzten zweimal im Jahr fachärztliche Weiterbildung mache und aufzeige, wie wir Kardiologen so ticken. Dort lernt man die Kolleginnen und Kollegen besser kennen. Leider ist über die Jahre das Interesse abgeflaut. Es sind eher die Älteren, die kommen und weniger die Jüngeren. Sich persönlich kennenzulernen, ist wünschenswert und doch im Alltag schwierig. Auf dem Land ist das vermutlich noch einfacher als hier in der Stadt.
Lummert: Da ist es. Aber es stimmt schon, die persönliche Motivation sich auszutauschen, nimmt ab, dabei sollten wir gerade in Zeiten der Digitalisierung das Mensch sein nicht vergessen. Die Zusammenarbeit klappt dann meist besser.