Wie Haus- und Fachärzte ihre Zusammenarbeit stärken können
Timo Schumacher, Vorsitzender beratender Fachausschuss Hausärzte
Foto: Thomas Deutschmann
Wenn eine Hausärztin oder ein Hausarzt mit einer Fachärztin oder einem Facharzt nahtlos zusammenarbeiten, ist eine kontinuierliche Versorgung der Patientinnen und Patienten gewährleistet. Der Hausarzt – Facharzt für Allgemeinmedizin oder hausärztlicher Internist – fungiert für Patienten als erster Ansprechpartner, der gegebenenfalls ein gesundheitliches Problem identifiziert, das tiefere Fachkenntnisse erfordert, und eine Überweisung ausstellt. Der Facharzt schaltet sich dann ein, führt eine gezielte Diagnose oder Behandlung durch und teilt seine Ergebnisse dem Hausarzt mit.
Die Realität bleibt jedoch manchmal hinter diesem Ideal zurück. Verspätete Testergebnisse, unklare Behandlungspläne und verpasste Nachuntersuchungen können zu unerwünschten Ereignissen und Doppelarbeit führen, was die Kosten für alle in die Höhe treibt. Für die Kolleginnen und Kollegen – Haus- und Fachärzte – kann dies Zeit kosten, die sie für die Behandlung ihrer Patienten verwenden könnten. In den meisten Fällen erfolgt die Konsultation eines Spezialisten rechtzeitig und konstruktiv. Es ist aber ärgerlich, wenn man weder eine klare Antwort noch überhaupt eine Antwort erhält.
Ein Hausarzt hat oft einen langfristigen, ganzheitlichen Blick auf die Gesundheit eines Patienten, während ein Facharzt eine tiefgreifende, fokussierte Expertise für eine bestimmte Erkrankung bietet. Wenn diese beiden Perspektiven erfolgreich integriert werden, profitieren die Patienten von einem umfassenden Behandlungsplan, der alle ihre Bedürfnisse berücksichtigt.
„Verspätete Testergebnisse, unklare Behandlungspläne und verpasste Nachuntersuchungen können zu unerwünschten Ereignissen und Doppelarbeit führen.“
Dr. Wolfgang Böker, Vorsitzender beratender Fachausschuss Fachärzte
Foto: Thomas Deutschmann
Viele Kolleginnen und Kollegen erleben eine reibungslose Zusammenarbeit, aber für andere ist die Kommunikation uneinheitlich. Ein Hausarzt der auf den Bericht eines Facharztes wartet, kann möglicherweise die Medikation eines Patienten nicht anpassen. Ein Facharzt, der keine vollständige Anamnese vom Hausarzt erhält, könnte überflüssige Tests anordnen. Kommunikation funktioniert immer dann, wenn sich die Kollegen persönlich kennen. Es gibt aber kein institutionalisiertes System der Kommunikation. Die Suche nach einem Kollegen für ein schnelles Update, das Navigieren durch komplexe Telefonbäume oder das Warten in der Warteschleife kann nerven.
Eine nahtlose Zusammenarbeit zwischen Generalisten und Spezialisten erfordert sowohl gute technische Lösungen als auch menschliche Beziehungen. Die elektronische Patientenakte und KIM sind zwar wichtig, aber reichen (noch) nicht aus. Ein funktionierender bundeseinheitlicher Medikationsplan in der ePA würde die Zusammenarbeit zwischen Haus- und Fachärzten erleichtern und Medikationsfehler vermeiden. Auch das problemlose Einstellen von Befundberichten, Überweisungen mit kompakten Zusatzinformationen wäre für beide Seiten hilfreich. Der wichtigste Aspekt ist aber: Eine starke Zusammenarbeit erfordert zwischenmenschliches Vertrauen und Respekt.
Indem wir gemeinsam – Hausärzte und Fachärzte – bessere digitale Systeme einsetzen, Prozesse standardisieren und bewusst in berufliche Beziehungen investieren, können wir dazu beitragen, die Kommunikation untereinander zu verbessern. Wenn Hausärzte und Fachärzte effektiv kommunizieren, ist es letztlich der Patient, der den größten Nutzen daraus zieht.